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Oltner
Tagblatt
NEUE
MITTELLAND ZEITUNG
MONTAG,
20.
FEBRUAR 2006
Banausiade
strapazierte die Lachmuskeln
Schützi Zünftler proklamierten in der
Tourismusstadt: «Welcome to Olten»
Wie immer hatten sich die ideengeladenen
Banausen-Zünfter auch für ihre achte und seit Monaten
ausverkaufte Banausiade eine originelle Rahmenhandlung
ausgedacht. Am Freitag- und Samstagabend durften in der vollen
Schützi je 300 Erwartungsfreudige miterleben, wie dank der
internationalen Kampagne «Welcome to Olten» die ersten ausländischen
Touristen eintrafen.
Heinz Lätt
Der Stadtpräsident war angeblich verhindert, sass aber
diesmal vergnügt im Saal und hielt den Kopf für viele
gepfefferte Pointen hin. Angesichts von Stapis «Bühnenabwesenheit»
musste Obernaar Seppelin, nach dem fantastischen Auftritt
seiner 50 Guggi-Musiker, die vier Touristen begrüssen. Weil
seine Ansprache nur deutsch geschrieben war, bat er den zufällig
anwesenden Strassenwischer Mäggsu (Massimo Hauswirth), als
Dolmetscher einzuspringen. So wurde den vier Touristen aus den
USA, aus Russland, Japan und Afrika der Empfang musikalisch in
ihren Landessprachen zuteil. Der total überforderte
Reiseleiter, einmalig gespielt von Banause Andy, führte
hierauf die Touristen zum Stadthaus, wo sie von Frau Huet
alias Doris Rauber, wunderbar imitiert von Jürg Kubli, schon
ungeduldig erwartet wurden. Nach ihrer weltgewandten Einführung
(«Sicherheit ist alles») und der etwas deplatzierten
Kinderchor-Einlage gings per Lift direkt in den 8. Stock. Hier
durften die Touristen das Büro von Stapi Ärnscht
besichtigen. Auf der Leinwand im Hintergrund wurden jeweils
passende Dias gezeigt. Frau Rauber verabschiedete sich mit den
markigen Worten: «Olten bleibt sauber - dank dr Doris Rauber».
Mit geräuschvollem Ersatzbus unterwegs
Inzwischen hatte der genervte Reiseleiter nicht nur die
vier Touristen, sondern auch Chauffeur und Doppeldecker
verloren. In seiner Verzweiflung bestellte er einen Ersatzbus.
Dieser traf dann auch prompt ein, nämlich in Form der sechs
Musiker von BlasArt, welche marschierend und den Säbeltanz
spielend einen Kleinbus täuschend echt imitierten. So ahmten
sie die unmöglichsten Geräusche nach: Vom Bremsenquietschen
über den defekten Motor bis hin zur Polizeisirene. Die
Touristen landeten hierauf im Naturmuseum, wo sie der
Reiseleiter erneut suchen musste. Zur Überraschung des
Publikums erwachten die hier zur Schau gestellten «ausgestopften»
Höhlenmenschen plötzlich zum Leben. Als erster «Höhlenrat»
planten sie umgehend die Höhlensiedlung Olten und
weitergehend sogar Urs Blasers Arolfingen. Fazit: Die Probleme
der Urzeit sind immer noch die gleichen wie heute! Ein
Kompliment an die vier Banausen Sven, Reto, Philipp und Roger.
- Längst hatten übrigens die Touristen selber die Initiative
ergriffen und übernahmen, radebrechend palavernd, jeweils die
Ankündigung der einzelnen Nummern. Jede Ansage war eine
herrliche Produktion für sich.
Flowerpower der Vorstadt-Grooveties
Für das fasnächtlich gestimmte Publikum war es ein Glück,
dass sich die ehemaligen Glögglifrösche als
Vorstadt-Grooveties - ein Wortspiel von Groove und Grufti -
nochmals zusammengefunden hatten. Denn ihre fabelhafte Nummer
erinnerte an die alten Glanzzeiten und demonstrierte aufs Köstlichste
die Schnitzelbank-Tendenz zu «Action». Hervorragend war der
Multi-Instrumentalist Ruedi von Arx, super auch der
gesangliche Vortrag und das perfekte Arrangement. Die
aktuellen neuen Verse nahmen den Stadtrat mit seinem Blüemli-Fimmel
aufs Korn. «Denn die Blüemli i dr Stadt / findt der Zingg Ärnscht
ou souglatt!»
Nach der Pause ging es musikalisch weiter. Die Trommler und
Pfyfer der Säli-Zunft - unterstützt durch Tambouren der
Jugendmusik Olten - führten vor, wie sie viel Geld verdienen
wollten: Ein vor der Spittelschüür platzierter Musikautomat
begann nach Einwurf einer Münze zu spielen. In
fluoreszierender Farbbeleuchtung waren die im Dunkeln
wirbelnden Trommelschläger und die rhythmisch auf und ab
schwingenden Pfeifinstrumente eine vielbeklatschte Attraktion
für sich.
Thomi Droll, seit acht Jahren Garant für humor- und
geistvolle Unterhaltung, hatte auch heuer etwas Aussergewöhnliches
auf Lager: Er trat als Strassenmusiker vor dem Coop City auf
und gab singend und spielend die auf einer Weltreise
gesammelten Lieder zum Besten. Auf diese Weise durfte man übrigens
Thomi das erste Mal live singen hören. Die Lacher holte er
sich vor allem mit seinen afrikanischen und
karibisch-schweizerischen Songs sowie mit seiner umwerfend amüsant
eingeflochtenen Conférence, die sich mit dem innerstädtischen
Langlaufrennen ebenso wie mit der Verkehrsverlagerung an der
Haslistrasse befasste. In der Tat: «Olte isch im cho».
Von Psychiatern und Alt-Obernaaren
Dann war die Reihe an Nöschi, der an den Banausiaden
ebenfalls immer in eine neue Rolle schlüpft. Diesmal spielte
er Dr. med. Psychiater S. Leid, der auf seiner Couch so manche
bekannte Oltner Persönlichkeit zu behandeln hatte. Dabei
hatte das Publikum bald mit dem Psychiater selbst Mitleid,
weil er ständig telefonisch unterbrochen wurde und sich am
Schluss sogar selber therapieren musste.
Als letzter Patient im Vorzimmer wartete dann Nöschi selbst,
um die Musiktherapie-Gruppe der Alt-Obernaaren zu leiten. Denn
die Patienten Willi, Clavi, Säli-Heinz, Hofme Role, Chüssi
und Christ Peti und Konsorten litten schwer darunter, dass sie
seit ihrem Obernaaren-Jahr «kein Schwein mehr kennt». Glänzend
interpretierten sie das Stück «Die da» und machten, unterstützt
von den Guggi-Trompetern, den Übergang zum Finale mit allen
Auftretenden und dem obligaten Nabucco. - Nur schade, dass während
der Bühnenschau das Rauchen nicht untersagt war und zeitweise
den ganzen Saal einnebelte.
Konstant hohes Niveau
Als perfekte Darsteller hatten sich insbesondere auch die
vier banausischen Touristen erwiesen. Zu erwähnen gilt es
weiter Sigi Meier mit seinen unverkennbar brillant abgefassten
Texten sowie die vielen eifrigen Helfer hinter und vor der Bühne.
Vor jeder Banausiade fragen sich die Oltner Fasnächtler,
ob wohl das letztjährige Niveau auch dieses Jahr gehalten
werden könne. Und jedes Mal heisst die Antwort übereinstimmend:
Ja.
So können sich also die 600 begeisterten Zuschauer getrost
und frohgemut schon heute auf die nächstjährige neunte
Banausiade freuen.
zu
den Bildern
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