 |
NEUE
MITTELLAND ZEITUNG
STADT
OLTEN
MONTAG,
16.
FEBRUAR 2003
Ein
Vereinsabend von anno dazumal
Olten
Sechste Banausiade hat punkto Fasnachtshumor den Vogel
abgeschossen
Es
war wie immer zum Ergötzen! 280 Zuschauer am Freitag und
nochmals so viele am Samstag bekundeten in der Schützi mit
Ovationen, dass auch die sechste Auflage der Oltner Banausiade
als Riesenerfolg in die fasnächtlichen Annalen eingehen wird.
heinz
lätt
Dieses
Jahr hatten sich die kreativen Köpfe der Banausenzunft Olten
mit dem Motto «Bunter Unterhaltungsabend mit Tanz» einmal
mehr etwas Besonderes einfallen lassen: Sie karikierten mit
nostalgischer Note die Unterhaltungsabende der 60er-Jahre und
die bis heute gleich gebliebene Vereinsmeierei.
So
begann der Vereinsabend mit dem obligaten Einmarsch der
historisch uniformierten Trommler, alias Säli-Tambouren, der
Blasmusikanten, alias BlasArt, und des Tagespräsidenten
Massimo mit seinem Elsässer Freund Christian. Mit Unterstützung
von Mimmo Russo, der den ganzen Abend professionell
begleitete, spielte BlasArt eine Kurzversion des obligaten
Solothurner Marsches. Zur Begrüssung schwelgte der Tagespräsident
in Vereinsabend-Nostalgie und hatte das Publikum auf seiner
Seite, als er zur Gründung eines Vereins aufrief.
Die
jodelnden Schnitzelbänkler
Kaum
hatte er die Traktanden verlesen, betrat auch schon Franz
Studer aus dem Gäu die Bühne und verkündete: «Ohne Franz
kein Tanz». Er sei zwar an der Banausiade nur für die Tanzbändeli
zuständig, kandidiere aber auch für das Präsidentenamt des
neuen Vereins. Dieses Amt wurde ihm jedoch sofort von Jäggi
Jos streitig gemacht, obwohl dieser an der Banausiade nur die
virtuelle Tombola betreute. Diese zwei Vereinsmeier, gespielt
von den Banausen Andy Brupbacher und René Schluchter,
unterhielten das Publikum in der Folge noch dreimal mit
Bravour.
Zum Erstaunen des fröhlich eingestimmten Publikums wollten
hierauf sechs Jodler des Oltner Jodler-Sextetts «Aaretal»
einen Schnitzelbank singen. Da aber das Fuko sieben Sänger
vorschreibt, mussten sie halt beim Jodeln bleiben. Als dann
jedoch «Rumpelsuri» die Bühne betrat - trotz Larve war Sigi
Meiers Stimme nicht zu verkennen - wurde der Beweis erbracht,
dass sich köstliche Schnitzelbänke mit urchigen Jodelklängen
perfekt kombinieren lassen. Was an der Banausiade jeweils im
Generellen gefällt, ist die köstliche Bezugnahme auf Oltner
Geschehnisse und der Witz, wie stadtbekannte Persönlichkeiten
aufs Korn genommen werden. Sigi war in dieser Hinsicht
beispielhaft.
Bereits zum sechsten Mal machte Stapi Zingg alias Ernesto Stützli
mit humorvollen Reimen seinen tiefsinnigen Gedanken über
Oltens Politik und Kultur Luft. Dass dabei vorab städtische
Mitarbeiter aus dem «Fuulhorn» hochgenommen wurde, war ja zu
erwarten. Hingegen war es eine Überraschung, als Buchhalter
Ernesto Stützli zum Schluss noch seine Kandidatur als
Vereinskassier bekanntgab.
Alt-Obernaaren
im Jungbrunnen
Alsdann
verwandelte sich die Bühne in einen Krämerladen namens Fako
(Fachgeschäft für Achtzeiler, Karnevalisten und Obernaaren).
Dort wollte ein Fukorat einen vor kurzem erworbenen Obernaar -
heutzutage Mangelware in Olten - umtauschen, da man mit diesem
gar nicht zufrieden sei. Nach langem Hin und Her fiel dem Verkäufer
ein, dass er noch mehrere Alt-Obernaaren an Lager habe, die
man ja rezyklieren könnte. Die herrlich agierenden jungen
Banausen Sven, Reto, Philippe und Patrick hatten die Lacher
ein weiteres Mal auf ihrer Seite, als plötzlich ein Turmsänger
den Krämerladen betrat und «ein paar sauglatti Schnitzelbänk»
kaufen wollte.
In Szene setzten sich jetzt die Alt-Obernaaren Chüssi, Nöschi,
Big Brother Maurice und Säli-Heinz, die in desolatem Zustand
aus dem Lager gebracht wurden. Singend erklärten sie, dass
ihre Zeit zwar vorbei sei, dass sie indes jederzeit wieder das
Obernaaren-Amt übernehmen könnten. Das Quartett wurde dank
dem Durchschreiten eines Jungbrunnens immer lebendiger, und
das Publikum traute seinen Augen nicht, als Säli-Heinz plötzlich
wie Michael Jackson einen perfekten Moonwalk und Maurice einen
unglaublichen Breakdance vorexerzierten. Nun dämmerte es den
Zuschauern, dass hier Doubles am Werke waren, nämlich die
Gruppe «Physical Control» aus Gretzenbach.
An die Reihe kamen hierauf die 45 Musiker der Guggemusig
Papapalagi, die schon an allen fünf bisherigen Banausiaden
immer wieder ihren musikalischen Ideenreichtum bewiesen
hatten. Diesmal führten sie mit Holzschuhen sogar einen
mitreissenden Holzschuhtanz vor, eine Weltpremiere, wie kein
Geringerer als der beigezogene Stardirigent André Rieux verkündete.
Eigentlich hatte Rieux seinen Freund Toni auf dem Château
Mosimann besuchen wollen und sei nun, wie er erklärte,
mangels Toni im provinziellen «Circolo» gelandet.
Weltbekannten
Zauberer engagiert
Den
zweiten Programmteil eröffnete der diesjährige Obernaar
Clavi 04. Der gebürtige Bündner schlüpfte in die Rolle
eines Jägers, und männiglich staunte, was der «Naaremeister»
von seinem Hochsitz aus alles beobachtete und in gereimter Bündner
Dialektik kommentierte. Auch in Clavis Ausführungen steckte
viel Lokalkolorit. Da er sich regelmässig einen Schluck Jägermeister
zu Gemüte führte, endete seine Nummer in einer
vielbeklatschten Wort- und Buchstabenverwechslung.
Was wäre ein Unterhaltungsabend von ehemals ohne Magier? Die
Organisatoren hatten weder Kosten noch Mühe gescheut, den
illustren Zauberer Edgar Schäufele aus Deutschland zu
verpflichten. Nur hatte dieser offensichtlich auch schon
bessere Tage gesehen, schlitterte er doch von einem
Trick-Desaster ins andere - bis ihm in seiner Verzweiflung
seine «Glanznummer» in den Sinn kam: Der Bauchredner mit
einem überdimensionalen Vogel! Dass eine derart geniale Blödelnummer
nur von einem Bühnenkünstler stammen konnte, vom brillanten
Thomi Droll, war von Anfang an klar.
Nach so viel Lachen konnte sich das Publikum entspannen und
eine musikalische Weltreise geniessen, wie sie seinerzeit als
Höhepunkt eines jeden Musikvereinsabends gegolten hatte.
Allseits bekannte Melodien aus der ganzen Welt wurden von den
Säli-Tropfi, den Trommlern und Pfyffern, perfekt arrangiert
und interpretiert. Die Säli-Zünfter hatten auch nach einem
anstrengenden Obernaaren-Jahr noch viele peppige Pfeile im Köcher.
Fasnächtler
auf richtigen Weg geführt
Last
but not least durfte einer nicht fehlen: Nöschi, der Banaus.
Er verwandelt sich jedes Jahr neu. Diesmal erschien er als «Markus,
der Erleuchtete», wie ein TV-Prediger ganz in Weiss. Das
begeisterte Publikum erfuhr, dass er auf seiner Wanderung
durch das dunkle Tal des Schattens gar manchen Oltner Fasnächtler
auf den richtigen Weg zurückgeführt habe. Nöschis Nummer
endete mit einem «Oh Fasnachts-Day» seiner geläuterten Brüder
und mit dem nochmaligen Aufmarsch aller Mitwirkenden.
Dem Tagespräsidenten blieb, nachdem sich alle drei Kandidaten
für den Vorsitz zurückgezogen hatten, nur noch die
Feststellung, dass die Banausiade eigentlich gar keine
Vereinsform brauche. Somit konnte der Abend wie immer mit dem
vom Publikum kräftig mitgesungenen Nabucco-Gefangenenchor
fast euphorisch ausklingen ...
Nach dem Riesenerfolg überrascht es nicht, wenn nächstes
Jahr die siebente Banausiade stattfinden und wieder Monate im
voraus ausverkauft sein wird.
zur
Galerie .jpg)
Vereinspräsidenten-Kandidaten
Jäggi
Jos (Andy Brupbacher) und Franz Studer (René Schluchter) sind
zum Schreien komisch.
|
|