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vom 19.02.2001
NEUE
MITTELLAND ZEITUNG
STADT
OLTEN
MONTAG,
19. FEBRUAR 2001 Seite
10
Banausiade
on&off Broadway
Vorfasnachtliche
Showtime in Oltens Schützi-Kulturtempel
Was
sich zweitet, das drittet sich. Die Banausenzunft Olten scheute weder
Mittel noch Ideenbewältigung und härteste Fronarbeit, um zum dritten
Mal zu einer qualitativ exquisiten Banausiade einladen zu können. Bei
rund 120 Mitwirkenden verschiedenster Provenienz war die Schützi sowohl
am Freitag- wie am Samstagabend mit je 250 Personen bis auf den letzten
(Steh-)Platz ausverkauft.
HEINZ
LÄTT
Und wie das Publikum die heitere Bühnenschau
genoss! Über vier Stunden lang wurden die Lachmuskeln Schlag auf Schlag
strapaziert. Was die Banausen-Regisseure Sigi Meier und Heinz
Neuenschwander zusammen mit Showmaster Massimo Hauswirth durch lokale
und nationale Protagonisten vorexerzieren liessen, erwies sich als
Hammer-Programm, das die Vorfreude auf die unmittelbar bevorstehende
Oltner Fasnacht mächtig anheizte. In der Tat, die Banausiade möchte in
der Region niemand mehr missen.
Welcome
on Oltner Broadway
Als
schon fast logische Folge der zwei bisherigen und ebenfalls stets
ausverkauften Banausiaden Grafschaft Olten (1999) und Vasnächtliches
Farlete (2000) hiess das Motto im Jahr 2001 Banausiade
on&off Broadway. Und so standen denn diesmal musikalische
Produktion ganz im Mittelpunkt des Geschehens. Für die richtige Atmosphäre
sorgte das prächtige Bühnenbild, das einen direkt in die lichtüberflutete
Broadway-Szenerie von New York entführte.
Während sich die Eintreffenden an den Selbstbedienungsbuffets
verprofiantierten, trat um halbacht bereits Kapellmeister Mimmo Russo
an seiner Wunderorgel in Aktion und stimmte dasAuditorium schwungvoll
auf den Abend ein, unterstützt vom Blas-Art-Orchestra, das unter
Bandleader Heinz Schönenberger Melodien aus Cole Porters Musical Kiss
Me Kate intonierte.
Punkt
20 Uhr verdunkelte sich der Saal: Ein Taxi fuhr auf, und ein auswärtiger
Gast wollte sich vom Turkish-Taxi-Driver noch rechtzeitig zur Schützi
chauffieren lassen - das köstliche Zwiegespräch der beiden entwickelte
sich zum roten Faden der Show; denn dass das Taxi einmal im
Industriequartier, einmal im Schöngrund, dann wieder beim Bahnhof, aber
bis Vorstellungsschluss nie in der Schützi landete, versteht sich von
selbst. In amerikanischem Deutsch, dem wir uns nachstehend zum Teil
anschliessen wollen, moderierte Producer Max mit seinem kleinen, nach
jeder Nummer den Beifall messenden Assistenten Chris das lediglich
einmal durch eine Verpflegungspause unterbrochene Programm.
Eine
glanzvolle Artistenszene
Wie schon gesagt: Musik war Trumpf am
Oltner Broadway. Der Chiefjoker (Obernaar) Big Maurice-O-One an his
Sitting Hockeyplayers...the Höckelers agierten als lebende
Tanzpuppenfiguren, worauf der vorletzte Chiefjoker Willy Rüegsegger mit
Rutishouser-and-Friends trink- und sangesgewaltige bayerische Barbaren
vorstellte. No Girls No Show: Der Damenturnverein Obergösgen brillierte
mit Tanzszenen aus dem Musical Cats. Dann war, sehnlich erwartet,
Thommy-der-Drollig-ste-Droll-of-Olten, an der Reihe und imitierte in
drolligster Manier Broadway-Gesangskoryphäen, von Dinah Washinghton bis
Frank Sinatra. Ein weiteres Highlight setzten die
Kreuzfeld-Jacob-Sisters vom Cabaret Schräglag als aufziehbare
Automatentänzerinnen, gefolgt von den Drums and Pipes from the Säli Castle,
den schmissigen Drummler- und Pfiffer-Klängen der Säli-Tropfi
steuerten die Cheer-Leaders from Wengen bei Olten die gebührende
Augenweide bei.
Aus
Zinggenstein wurde Mr. Higgins
Beat-on-Beat,
das heisst Schlag auf Schlag, ging es weiter im Text. Einmal mehr
wartete die Old Frog Stompers Big Band der Fröscheweid-Zunft mit einem
Potpourri auf, das mit sensatiollen Bläser-Solopartien gespickt war. In
der Folge meldete sich ein armer Schlucker aus dem Stück Fiddler on the
Roof zu Wort: der dritte Chief-Jocker Nöschi kam mit jiddischen
Banausen als Anatevka back from Jew-S-A und reihte eine gepfefferte
Lokalpointe an die andere. Dass sich gleich anschliessend The President
of the City Olten in einer ähnlich geistreichen Thematik bewegte, lag
auf der Hand: Der ehemalige Graf von Zinggenstein hatte sich dieses Jahr
als Mister Higggins aus My Fair Lady getarnt, und was er aus Fuulhorn
und Stadt zu berichten wusste, war eine gesalzene Ladung witzigster Köstlichkeiten
und bewies, dass sich Stadtobere auch selber aufs Korn nehmen können.
Zu den Stammgästen gehörte alsdann die Papapalagi-Guggemusik, die
ihren schaurig-schönen Melodien auf verdunkelter Bühne mit lichterglänzenden
Kostümen und erstrahlenden Instrumenten sowie mit zwei Stepptänzerinnen
zu ungewöhnlichen und vielbeklatschten Spezialeffekten verhalfen. Noch
gaben die als Richter verkleideten Banausen-Sänger ihren diesjährigen
Schnitzelbank als Vorpremiere zum Besten, und der vierte Chief-Joker des
Abends, Röbi 2000 machte mit seiner Old-Town-Sippe auch noch seine
Aufwartung.
Den krönenden Abschluss der Show bildete der überraschende Auftritt
der berühmten italienisch-schweizerischen Starsängerin Daniela
Simmons deren Fortissimo-Songs an den vollen Sound einer Orgel gemahnten
und die Schützi richtiggehend mit Hymnen erfüllten. Der Beifall wollte
kein Ende nehmen, aber da trat der Produzent Massimo dazwischen,
vermelded, dass keinerlei Cash mehr vorhanden sei und er über Künstlerschaft
und Publikum eine Massenentlassung verfügen müsse.
Der Dank für das Gebotene konnte trotzdem gebührend
abgestattet werden, indem alle Mitwirkenden nochmals auf der Bühne
erschienen und zum Ausklang den Nabucco-Ohrwurrn sangen, in welchen sämtliche
Anwesenden kraftvoll einstimmten.
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