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vom 28.02.200
NEUE
MITTELLAND ZEITUNG
STADT/REGION OLTEN
MONTAG,
28. FEBRUAR
2000
Seite 6
Höchstnote
für fasnächtliche Comedy-Show
Volles
Haus an 2. Banausiade in Olten
Sowohl
am Freitag- wie am Samstagabend begehrte in der Oltner Schützi je eine
200-köpfige, vorfasnächtlich angehauchte Besucherschaft Einlass. Was
das Drummeli für die Basler, ist jetzt für die Oltner
die
Banausiade geworden - ein hochkarätiges, von köstlichem Humor und
geistreicher Unterhaltung geprägtes Traditionsspektakel.
HEINZ LÄTT
Die
vom Fasnachtsbazillus richtiggehend angefressene Banausenzunft in Olten,
die an der letztjährigen Fasnacht den Obernaar stellte und bei dieser
Gelegenheit die Banausiade als vorfasnächtlichen Einstimmungstreff einführte,
hat in ebenso anerkennens- wie verdankenswerter Weise die grosse Mühe
auf sich genommen, auch im neuen Millennium wieder eine Banausiade zu
inszenieren. Das viele Freizeitstunden aufopfernde Banausen-OK, dessen
Protagonisten nicht namentlich aufgeführt werden wollen, wählte
diesmal die Form eines aussergewöhnlich vielfältigen Varietés, einer
Bühnenschau, welche das Kulturzentrum Schützi von der Ausgelassenheit
und dem Bombenapplaus des Publikums an beiden Abenden in seinen
Grundfesten erzittern liess.
Herrlicher
Mix
Nach
dem Begrüssungs-Schämpis, untermalt von Tafelmusik des aus der Region
stammenden Unterhaltungsensembles Blas-Art, hiess es von der Bühne her
in zirzensischer Manier rasch «Herrreinspaziert». Das würdevolle
Direktoren-Duo Massimo und Christian konnte alsdann dem «hochverehrten
Publikum» Schlag auf Schlag ein wahres Feuerwerk von Musik, Sketches,
Varieté-Nummern und Humoresken ansagen. Dass sich beim spektakulären
Programm O1tner Fasnächtler und international bekannte Bühnenkünstler
praktisch ohne Güteunterschiede vermischten, sagt allein schon alles über
die Qualität des Gebotenen aus.
Von Nummer zu Nummer
Für
den Begleitsound und die Überleitungen sorgte der magistrale O1tner
Kapellmeister Mimmo Russo auf seiner
Klavier-Orgel-Synthesizer-Violonset-Schlagzeuganlage. Zum Auftakt
stellte sich Obernaar Röbi 2000 als Aaregeist vor, rühmte Oltens
Wasser als Gesundbrunnen und exerzierte im aufgebauten Bassin mit seinen
strammen Altstadtzünftern ein Badenixen-Ballett beziehungsweise
perfektes Synchronschwimmen vor. Die zweite Nummer vermittelte mit dem
Entfesselungs- und Illusions-Duo Frascati und Gloria «Las Vegas live»-Atmosphäre.
Ein Zuschauer beispielsweise fesselte die reizende Gloria in eine
Zwangsjacke und verpasste ihr Handschellen; sie befreite sich
sekundenschnell sogar aus einem Stahltresor.
Das
Cabaret Schräglag als Nummer drei: Auf vernebelter Bühne landeten
Ausserirdische in O1ten und pipsten einen verblüfften Zwischenbericht
ins Weltall nach Hause.
Dann
trat wie schon letztes Jahr Thomi Droll als Meister des Amusements in
Aktion, das heisst, er liess seinen vor Lampenfieber zitternden
Stellvertreter «Erwin Hugentobler» zu Wort kommen. Dessen
Interpretation des Assistenten-Blues wurde zum vielbeklatschten
Volltreffer.
Für
die fünfte Darbietung zeichneten die Säli-Dropfi verantwortlich.
Drummler, Pfifferinnen und Pfiffer der Sälizunft Olten verbreiteten
melodiöse Kaffeehaus-Ambiance. Auf verdunkelter Bühne erzielten die
Drummler mit fluoreszierenden Schlegeln und Taburettli einen überraschenden
Sondereffekt.
Ernst von Zinggenstein in Hochform
Nach
einer kurzen Pause (zum Auftanken) ging es im gleichen Text weiter.
Zuerst Furore machte die berühmte Valentina mit ihren beiden Seelöwen
Cäsar und Otto, die sich als Balljongleure der Spitzenklasse
produzierten und für Erinnerungsfotos Zuschauerküsschen verteilten.
Zu
einem Höhepunkt gestaltete sich auch dieses Jahr die Büttenrede von
Stadtpräsident und Fröschenweidler Ernst Zingg, der kein Blatt vor den
Mund beziehungsweise diverse Oltner Koryphäen aufs Korn nahm und immer
wieder nach Schacherseppeliart den Refrain sang: «Ig be der chlini Zampanoo / ir
ganze Stadt bekannt / ig möcht
regiere ganz ellei / mit mire
feschte Hand / ig möcht nid nur Theater ha / nid
nur Schumschlegerei / bi
eifach nur für Oute do / Ernesto
Zampanoo!» Mit seinen witzsprühenden Randbemerkungen zu Themen wie
Verkehr, Politik, Stadtverwaltung und Kultur holte er sich immer wieder
spontanen Zwischenapplaus bei seiner zur Anhängerschaft gewordenen Mitbürgerschaft.
Sofort
folgte eine andere Glanznummer: Auf dem Säli-Schlössli (ein Speziallob
den eifrigen Kulissenschiebern!) gaben Starkoch Mosimann und TV-Star
Kurt Aeschbacher eine urkomische Demonstration edelster Kochkunst zum
Besten. Dass die «warme Küche», welche die beiden als Gastmahl für
den Oltner Stadtrat zelebrierten, in einem Eintopf mit Schweinskopf
endete, war nur ein Clou unter vielen.
Nach
einem Auftritt der Papapalagi, die auch der Sparte Guggenmusig zu ihrem
Recht verhalfen, stand noch ein wahres «Denkmal» des Humors auf dem
Programm: Stan George bewies, warum er seit Jahrzehnten als Inbegriff
des höheren Blödsinns gelten darf. Wie er seine Figaro-Nummer abzog:
war punkto Mimik und Gestik
geradezu umwerfend.
Durchsagen der Stadtpolizei
Als
die Varieté-Direktion bereits zur Schlussnummer mit einem
Musikarrangement der Banausen-Kellner und des Blas-Art-Ensembles überleiten
wollte, betrat unversehens eine (banausige) Oltner
Stadtpolizisten-Patrouille die Bühne, um wichtige Durchsagen zu machen.
Ein Velofahrer mit Nummer soundso habe den Dynamo laufen lassen! Die
Autonummer eines falsch parkierten Autos wurde gleich widerrufen, da es
ja peinlicherweise das eigene Polizeiauto sei. Als Sprecher der
Patrouille, die sich abschliessend als Gesangschörli profilierte,
verlas Korporal Nöschi (zum besseren Verständnis der Polizeitätigkeit
als Freund und Helfer) noch einige wichtige Leitsätze der Stadtpolizei:
«Jeder; der nach Olten fährt /
ist uns eine Busse wert!» - oder
«Fründlech grüesse / gründlech
büesse!»
Alle
Mitwirkenden versammelten sich zur Schlussparade nochmals auf den
Brettern, die an den beiden Abenden für die Oltner tatsächlich die
Welt bedeuteten, und sie verabschiedeten sich winkend und
Nabucco-singend vom frohgelaunt mitmachenden Publikum.
Zu
den Rhythmen Mimmo Russos bevölkerte sich anschliessend die Bühne mit
vielen Unentwegten, die emsig das Tanzbein schwingen wollten. Und es gab
wohl nur wenige Zuschauer und Zuschauerinnen, die auf dem Heimweg in der
Rückerinnerung an die Highlights dieser zweiten und hoffentlich nicht
letzten Banausiade nicht immer
wieder laut herausgelacht haben dürften.
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