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NEUE
MITTELLAND ZEITUNG
STADT
OLTEN MONTAG,
31.
JANUAR 2005
Banausiade
mutierte zur Volkshochschule
Olten
Alle «Nachhol-Bildungshungrigen» absolvierten vorfasnächtliche
Unterrichtsfächer
heinz
lätt
Gemäss
schonungsloser Pisa-Studie herrscht auch in Olten auf allen
Gebieten ein Bildungsnotstand. Für die neu gegründete
Volkshochschule Banausiadis (VHB) war dies Anlass, für
Abhilfe zu sorgen und am Freitag- und Samstagabend ein ebenso
vielseitiges wie köstliches Vorfasnachts-Kursprogramm
anzubieten. Total 500 Nachhol-Bildungshungrige nützten die
Gelegenheit, im Kulturzentrum Schützi neun
Schnellbleiche-Kurse zu absolvieren und ihren Wissensstand à
jour zu bringen.
Feuerwerk
an Witz, Ideen und Gags
Mit
einem Medley, das auch die Melodie «Hurra, die Schule brennt»
einschloss, eröffnete Mimmo Russo das Programm. An der 7.
Banausiade wollte Christian für einmal nicht nur den stummen
Assistenten spielen und sich rednerisch von der Knechtschaft
Massimos lösen. Leider aber hatte Christian sein Manuskript
beim «Tiger» liegen gelassen und musste verzweifelt alle
Geister anrufen. Und siehe da: Ein Geist in der Person des
legendären Jakob Philipp Friedrich Burckhardt - mit Cekadete
- alias
Massimo Hauswirth
trat in Erscheinung und ging sogleich «in medias res», indem
er das heutige Bildungswesen anprangerte. Humorgesegnete
Banausen mit schauspielerischem Talent machten in der Folge
jeweils die Ansage der heiteren VHB-Lektionen. All diese Texte
inklusive Einstiegsnummer waren überaus geistreich; sie
stammten aus der Feder des unermüdlich engagierten
Sigi Meier
.
Auch die jüngste Banausiade bot ein Feuerwerk an Witz, Ideen,
Gags und Sketches, die sich nahtlos aneinanderreihten. Wie
machen es die Banausen bloss, von Mal zu Mal mit frischen
Pointen und neuen Nummern aufwarten zu können und nie «Aufgewärmtes»
ins Programm nehmen zu müssen?!
Cancan-Tanz
und Behörden-Schikanen
VHB-Kurs
Nr. 1, angesagt von der Dame Edna: Die Rätschwyber-Clique
hatte sich unter der Leitung ihres Obernaars Cathrin I. dem
Cancan verschrieben und versuchten, zwei Opfer aus dem
Publikum in diesen schwierigen Tanz einzuführen. Als dies
nicht ganz klappen wollte, exerzierten es die Moulin-Rouge-Rätschwyber
vor, mit welcher Rasse und Klasse eine professionelle
Cancan-Tanznummer hingefegt werden kann.
VHB-Kurs Nr. 2, angesagt von Kunstkenner Wernherr Sascha
Maler: Stapi Ernst Zingg präsentierte sich als
Volkshochschul-Absolvent im Fach Kultur. «Läbt Olte no?»
fragte er, und das Publikum replizierte wie aus einer Kehle:
«Jo, Olte läbt, und mit der Banausiade läbts noch lang!»
Dank der genossenen Ausbildung dürfte der VHB-Besucher in der
Lage sein, eines Tages als Kulturminister Ernst von
Zinggenstein in die Oltner Stadtgeschichte einzugehen.
VHB-Kurs Nr. 3, angesagt von Pierr'otto le Fou. Als Dozent für
Rhythmik heizte er den Fasnächtlern mit seiner Stamp-Fiddle tüchtig
ein. Live und ohne Playback thematisierten alsdann die Musiker
von Rutishuser & Co. die Baustellen-Situation in Olten.
Lediglich bestückt mit einer Gitarre und diversen
Baustellen-Utensilien als Rhythmusgeräte, entwickelte die
Band in der Schützi einen noch nie dagewesenen Super-Sound,
mit vielbeklatschten oltnerischen Schnitzelbank-Einschüben.
VHB-Kurs Nr. 4, angesagt von Ernst «Aschi» Müllhaupt: Die
Banause-Clique brachte mit einem Kasperlitheater das Lädelisterben
in Olten aufs Tapet. Die arme Omi Vroni fand alte Geschäfte
wie Victor Meyer, Häusler-Zepf oder Peduzzi-Gemüse nicht
mehr. Der Kasperli wollte ihr gemeinsam mit einem Magier
helfen, das Olten von anno dazumal zurückzuzaubern. Aber
sogar die Macht des Zauberers Wünschibus versagte. Zwar
wurden nochmals Geschäfte wie Nordmann, Scheurmann und Möbel-Lang
zumindest in Erinnerung gerufen, aber am Schlusse hiess es
dennoch resignierend: «Es isch jo nur es Träumli gsi!»
Verhindert wurde die von der nostalgischen Omi Vroni gewünschte
Rückverzauberung Oltens durch den König vom Schloss Fuulhorn
und durch den Polizisten Isidor Buess. Die beiden heckten
immer neue Schikanen für die Geschäfte und stets neue
Einnahmequellen zum Schröpfen von Konsumenten aus.
VHB-Kurs Nr. 5, angekündigt von einem namenlosen Viel- und
Nichtssager: Hier unterstellten sich die Trommler und Pfyffer
der Säli-Zunft dem Motto «Gartenpflege für Fortgeschrittene»
und brachten dabei anspruchsvolle musikalische Kost der
Commedian-Harmonists zu Gehör, etwa «Veronika, der Lenz ist
da» oder «Wochenend und Sonnenschein», übrigens ein
Arrangement von Säli-Heinz 03. Die humorvolle Sparte übernahmen
zwei köstliche Hobbygärtner, die vorexerzierten, wie Büsche
geschnitten, Kaktusse rasiert und gartenpflegerische Pflichten
zu jeder Jahreszeit wahrgenommen werden müssen.
Konfetti-Stanz-
und Playback-Kurs
VHB
Kurs Nr. 6, angesagt vom Inder Rajiv Ashram Negasvani
Tiruvan-Tapuran Kanimadu, der radebrechend und mit lebenden
Schattenrissen von einem Hardwald-Spaziergang berichtete. An
der Reihe waren in diesem Kurs die Papapalagi, die sich
diesmal aufs kabarettistische Glatteis wagten. Sie zeigten
einen Absolventen des Konfetti-Stanzkurses, welcher nach
sieben Jahren seine Prüfung besteht. Die eintönige
Fliessbandarbeit der Konfetti-Stanzer wurde durch ein «Seminar
für Guggemusigen» abgelöst, welches dann musikalisch mit
der Amboss-Polka das Pünktchen aufs i des Schränzer-Auftritts
setzte.
VHB-Kurs Nr. 7, angesagt von Dr. Roschacher, einem ehemaligen
Studenten der Volkshochschule Trimbach: Thomi Droll gab
Unterricht im «Playback für Introvertierte». Dass er dabei
als Lehrer sogar bei unerwarteten Tonband-Stauungen die Nerven
behielt, war Situationskomik in Reinkultur. Beim Kurs für
Fortgeschrittene lehrte dann Thomi, wie man Stars wie Elvis,
Opernsängerinnen und -sänger sowie andere Koryphäen
imitieren kann. Drolliger gehts nicht mehr.
VHB-Kurs Nr. 8 ging fliessend in den vorherigen Kurs über. Nöschi
fuhr per Velo auf die Bühne und bewarb sich als
alternativ-naiver Lehrer für das Fach «Deutsche Grammatik für
Ausländer». Es handelte sich um einen Kurs für Schweizer
mit dem Ziel, den ausländischen Gästen grammatikalische und
andere Umgangsformen beizubringen. Zudem zeigte er, wie man im
Oltner Alltag mit ausländischen Gästen - sei es aus Afrika,
der Türkei oder aus dem südosteuropäischen Raum - umgehen
sollte, um sie so auf den richtigen (grammatikalischen) Weg zu
bringen.
VHB-Kurs Nr. 9, angesagt vom Rektor der Volkshochschule
Banausiadis: Als Letztes erlebte das höchst amüsierte
Publikum einen Auftritt von über 50 Musikern! Die Band
Blas'Art, die Musikgesellschaft Harmonie Biberist und die
Banausen-Sänger setzten unter der Leitung von Heinz
Schoenenberger mit dem von ihm perfekt arrangierten «Bolero»
von Ravel den fulminanten Schlusspunkt hinter die köstliche Bühnenschau.
Dass bei dieser ernsten Musik erneut auch der Humor nicht zu
kurz kam, dafür war nochmals Thomi Droll mit ein paar
erfrischenden Einschüben besorgt.
Wie immer klang die Banausiade mit dem vom Publikum kräftig
mitgesungenen Nabucco-Chor fast euphorisch aus, und Mimmo
Russis darauf folgende Tanzmelodien hallte den
Volkshochschul-Teilnehmenden noch auf dem Heimweg nach. Auf
einen Nenner gebracht: Alle neun VHB-Kurse waren Spitze und
versetzten das Publikum an beiden Abenden gleichermassen in
eine vorfasnächtlich-ausgelassene Stimmung.
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